Geschichte der Wehr

Die Anfänge der Feuerwehr in Userin

 

Bereits um 1860 war in einer Feuerordnung des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz für alle Domanialdörfer, zu denen Userin und Groß Quassow gehörte, festgelegt worden, dass Bauernhöfe mit über 30 ha Land ebenso wie Gewerbeausübende eigene Feuerlöschgeräte in ihren Gebäuden bereitzuhalten haben. Zu dieser Ausrüstung gehörten Einreißhacken und ledernde Löscheimer. Ein Einreißhacken mit den Insignien Karl Kley befindet sich noch im Besitz der Nachfahren Friedrich-Karl und Herbert Kley in Userin.

 

1865 verfügte Großherzog Friedrich Willhelm die zentrale Bereithaltung der Feuerlöschgeräte und den Bau von Gerätehäusern. Das alte Feuerwehrhaus in Userin wurde vor 125 Jahren gebaut. Am 15. Dezember 1873 beschloss der Schulzenrat von Userin (Eintrag im Dorfbuch) die Anfahrt der Baumaterialien, darunter Mauersteine, Hohlsteine, Dachsteine, Falzsteine und Mauersteinbruch, aufgeteilt unter den sieben Erbpachtbauern des Dorfes Userin sowie dem Mühlenbesitzer Schmidt und dem Erbpächter Behrens von Buchenhorst. Damit wurde der Bau des Spritzenhauses 1874 möglich.

 

Über die Vergütung des Spritzeneinsatzes fasste der Schulzenrat am 4. Oktober 1874 einen Beschluss. Der Einsatz der Spritzen zum Einsatzort sollte künftig auch bei Nichterreichen des Feuers mit 24 Schillingen vergütet werden, das Reinigen der Spritze mit 16 Schillingen. Zu Spritzenmeistern wurden Schmiedemeister Pankow und Schumacher Roewer gewählt. Übernahm nur einer der beiden die Fahrt, so sollte er den vollen Betrag erhalten.

 

Verschiedene Ursachen, u.a. täglicher Umgang mit offenem Feuer bei der Zubereitung von Speisen wie auch beim winterlichen Heizen, Dacheindeckungen von Wohnhäusern und Scheunen mit dem leicht brennbaren Schilf, trugen zu den gehäuften Bränden im 19. Jahrhundert bei. Das Dorfbuch Userin enthält eine Eintragung des Dorfschulzen J. Wierth über einen Brand am 18. Februar 1866.

„Abends halb acht Uhr brach in der Scheune des Eigentümers Peter ein Feuer aus, das sich rasch ausbreitete. Innerhalb von drei Stunden waren insgesamt drei Scheunen mit Zubehör abgebrannt, auch die der Nachbarinnen Henning
(geb. Bruhn) und Zell (geb. Pape).“

 

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts ereigneten sich in Userin mehrere Brände. 1892 vernichtete ein Großbrand die Lange Reihe, die Wohnhäuser und Nebengebäude in der Strelitzer Straße von der Ecke Quassower Weg bis zur Gaststätte, die selbst noch erhalten blieb. Ein Aufruf um Spenden an Geld, Naturalien, Kleidung- und Bettstücken für die Abgebrannten veröffentlichte die Neustrelitzer Zeitung am 13. Mai 1892, unterzeichnet vom Schulzen Kley und den Schöffen Wierth und Karbe sowie dem Altstrelitzer Pastor Nahmmacher.

Die Useriner Feuerwehr im 2. Weltkrieg

 

1941 wurde in der Gemeinde die Freiwillige Feuerwehr gebildet, wie aus einem Brief des Abschnittsinspekteurs und Wehrführers der Freiwilligen Feuerwehr in Mecklenburg vom 12. Juli 1941 hervorgeht. Das Mitgliedsverzeichnis nennt 25 Namen. Als Obertruppführer war Fritz Hüttmann eingesetzt worden und als kommissarischer Truppführer Johannes Augustin. Mitglieder waren ferner 3 Bauern, 5 Landwirte, Schmied, Stellmacher, Gastwirt, Lehrer und weitere 11 Arbeiter.

 

Am 23. September 1941 traf von einem Feuerwehr- und Luftschutzspezialgeschäft in Schwerin eine Lieferung mit Spezialausrüstungen ein. Darin enthalten waren 27 Feuerwehrstahlhelme in 6 unterschiedlichen Größen, 6 Flachbeile, 6 Schlauchhalter, 6 Alarmhörner, 5 Signalpfeifen, 5 Ketten und 2 Paar Gummihandschuhe.

 

Der Abschnittsinspekteur und Bezirksführer der Freiwilligen Feuerwehr in Mecklenburg, Sitz Güstrow, informierte die Kameraden in Userin, dass sie bei Unfällen, die sich im Dienstbetrieb ereignen, der Reichsunfallversicherung unterliegen. Darüber hinaus empfahl er den Beitritt zur Kollektiv-Unfallversicherung. Daraufhin beantragte Wehrführer Johannes Augustin die Aufnahme der Useriner Wehr in diese Versicherung auf 5 Jahre. Die Versicherungssummen betrugen im Todesfall 5000 Reichsmark, bei Invalidität 10000 Reichsmark und als Tagegeld 5 Reichsmark.

 

In den Kriegsjahren wurden Maschinen mit Messing- und Bronzeteilen eingezogen, um diese wertvollen Rohstoffe der Rüstungsindustrie zuführen zu können. So wurde auch die alte Useriner Handdruckspritze abgeholt, dafür aber 1942 durch eine Motorspritze ersetzt, hergestellt vom Feuerlöschgerätewerk Jähstedt. Die Spritze wurde damals mit der Eisenbahn zum Bahnhof Groß Quassow angeliefert. Dort holten sie Useriner Feuerwehrmänner mit einem Pferdefuhrwerk ab. Der TSA 8ist noch heute voll funktionsfähig.

 

1945 traten mehrere Brände in Userin auf. In den letzten Kriegsjahren, zwischen dem 15. und 20. April 1945, brannte es im Stallgebäude vom Schmied Pankow. In einem Anbau des Stalls war für die vielen, sich im Ort aufhaltenden Flüchtlinge eine Behelfskochstelle eingerichtet worden. Dort brach das Feuer infolge eines defekten Schornsteins aus. Beim Löschen halfen die im Dorf untergebrachten französischen Kriegsgefangenen. Ein ausbreiten des Feuers auf Wohnhäuser und Stallungen konnte verhindert werden.

 

Am 30. April 1945, dem Tag der Besetzung Userins durch Truppen der sowjetischen Armee, kam es zu einem weiteren Brand. Gegen 8 Uhr morgens näherten sich aus Richtung Groß Quassow sowjetische Soldaten zu Fuß und Pferd. Sie durchsuchten alle Häuser im Dorf nach versprengten deutschen Soldaten und nach Waffen, ohne fündig zu werden. Abends, gegen halb acht, standen die beiden benachbarten Häuser in Flammen. Die beiden Gebäude brannten völlig aus und wurden Ende der 40er wieder aufgebaut.

Useriner Feuerwehr nach 1945.

 

Die Freiwillige Feuerwehr in Userin wurde nach Kriegsende bald wieder aktiv. Für die Durchführung einer Brandschau im Herbst 1947 waren als Oberbrandschauer Rudolf Zimmermann und als Brandschauer die Useriner Fritz Hüttmann, Hermann Rechlin und Karl Roloff tätig. Zu besonderen politischen Festtagen wurde auch in Userin ein verstärkter Wach- und Brandschutz eingesetzt. In der Zeit von 17 Uhr bis 18 Uhr führten jeweils zwei Wachmänner Kontrollgänge durch, u.a. in der Zeit vom 6. bis 9. November 1952, dem Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Junge Männer des Dorfes wurden als neue Mitglieder aufgenommen, unter ihnen Friedrich-Karl und Heinz Roloff, beide am 15. April 1954.

 

Am 21.12.1962 übernahm Heinz Roloff die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr in Userin; Fritz Hüttmann wurde zum Leiter des Wirkungsbereiches Userin -Wesenberg benannt. Heinz Roloff leitete die Freiwillige Feuerwehr Userin 32 Jahre lang, bis zum Jahr 1994. Neuer Vorsitzender wurde Guido Albrecht.

 

1998 war ein ereignisreiches Jahr für die Freiwillige Feuerwehr Userin, am 25. Juli 1998 traf die Partnergemeinde Belm aus dem Landkreis Osnabrück in Niedersachsen ein und brachten ein Geschenk mit, es war ein TLF 16/25 Baujahr 1971. Der Gemeindebrandmeister von Belm, Alois Welker übergab Guido Albrecht dem Gemeindewehrführer den Schlüssel für das „neue“ Tanklöschfahrzeug. Im gleichem Jahr begann im Herbst der Bau des neuen Gerätehauses welches platz bieten wird für das Kleinlöschfahrzeug und das Tanklöschfahrzeug.

 

Im Januar 2003 erhielt die Freiwillige Feuerwehr ein Neufahrzeug von Metz, es war ein Löschgruppenfahrzeug 6/8 welches mit einer Feier in den aktiven Dienst gestellt wurde. Das TLF, welches wir von der Partnergemeinde geschenkt bekommen haben befindet sich nun bei der Freiwilligen Feuerwehr Carpin.

Quelle: Chronik der FFw Userin